Warum Hochschulen einen Nachweis verlangen – und was der GER ist
Hochschulen müssen sicherstellen, dass Studierende Vorlesungen folgen, Hausarbeiten schreiben und Prüfungen in der Unterrichtssprache bestehen können. Deshalb setzt praktisch jeder Studiengang – auch englischsprachige Programme in nicht-englischsprachigen Ländern – ein Mindestsprachniveau als formale Zulassungsvoraussetzung. Dieses Niveau wird über den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER, international CEFR) ausgedrückt: eine sechsstufige Skala von A1 und A2 (elementare Sprachverwendung) über B1 und B2 (selbstständige Sprachverwendung) bis C1 und C2 (kompetente, nahezu muttersprachliche Verwendung), auf die jeder größere Test seine eigenen Ergebnisse bezieht. In der Praxis verlangen Bachelorstudiengänge meist Niveau B2 – laut DAAD erfüllt dieses Niveau die Sprachanforderungen der weit überwiegenden Mehrheit der Studiengänge –, während für Master- und Promotionszulassungen häufiger C1 erwartet wird. [1] [2]
Englischnachweis: IELTS, TOEFL iBT und weitere anerkannte Tests
IELTS – gemeinsam getragen vom British Council, IDP und Cambridge University Press & Assessment – ist weltweit der am häufigsten verwendete Englischtest für die Hochschulzulassung. Die Academic-Version prüft Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen auf einer Skala von 0 bis 9 in Halbschritten (sogenannten Bands) innerhalb von rund zwei Stunden 45 Minuten; IELTS selbst empfiehlt, ein Ergebnis als zwei Jahre gültig zu betrachten. TOEFL iBT von ETS prüft dieselben vier Fertigkeiten und wird von mehr als 13.000 Institutionen in über 160 Ländern akzeptiert. Seit dem 21. Januar 2026 stellt ETS TOEFL iBT auf eine neue Gesamtskala von 1 bis 6 um, zeigt während einer zweijährigen Übergangszeit aber weiterhin einen vergleichbaren Wert auf der bisherigen 0-bis-120-Skala; auch TOEFL-Ergebnisse bleiben zwei Jahre ab Testdatum gültig. Zunehmend akzeptieren Studiengänge zusätzlich Cambridge-English-Prüfungen (bis C2 Proficiency) oder den Duolingo English Test – ob und welcher Test anerkannt wird, legt aber jeder Studiengang einzeln fest. [3] [4] [5] [6] [7]
Deutschnachweis: TestDaF, DSH, Goethe-Zertifikat und mehr
Für deutschsprachige Studiengänge nennt der DAAD zwei zentrale Prüfungen: TestDaF, verfügbar an mehr als 500 Testzentren in rund 100 Ländern und meist schon vor der Ausreise ablegbar, sowie die DSH-Prüfung, die in Deutschland selbst – in der Regel nach der Ankunft – direkt von vielen Hochschulen angeboten wird. TestDaF-Ergebnisse (TDN-Stufen) werden nach Angaben des Anbieters von allen deutschen Hochschulen anerkannt und verlieren nie ihre Gültigkeit. Daneben akzeptieren viele, wenn auch nicht alle, Hochschulen weitere Zertifikate: das Goethe-Zertifikat C2, telc Deutsch C1 Hochschule, das Deutsche Sprachdiplom Stufe II sowie, für manche Studiengänge, das Goethe-Zertifikat B2/C1 oder das ÖSD-Zertifikat B2/C1. Da laut DAAD jede Hochschule ihre eigenen Regeln je Studiengang festlegt, sollten das verlangte Zertifikat und Niveau immer direkt beim Studiengang bestätigt werden, bevor man sich für eine Prüfung anmeldet. [2] [8]
Weitere Sprachen: Französisch und andere
Frankreich betreibt über das Bildungsministerium und France Éducation International eigene offizielle Prüfungen: Der TCF gilt zwei Jahre, der TEF (organisiert von der Pariser Industrie- und Handelskammer Île-de-France) wird auf einer Skala von 0 bis 7 bewertet, und die Diplome DELF und DALF sind – anders als die meisten hier genannten Zertifikate – unbegrenzt gültig, sobald sie ausgestellt wurden. Französischsprachige Studiengänge akzeptieren in der Regel eines dieser Zertifikate, daneben auch das hochschulinterne DUEF-Diplom für Teilnehmende eines Vorbereitungskurses. Für andere EU-Studiensprachen gilt dasselbe Prinzip: Jedes Land betreibt über ein Ministerium oder Kulturinstitut eine eigene anerkannte Prüfung – etwa DELE für Spanisch oder CILS/CELI für Italienisch –, und die Zulassungsseite der jeweiligen Hochschule benennt genau, welches Zertifikat verlangt wird. [9]
Wann ein Sprachtest entfallen kann
Zwei Situationen führen am häufigsten zu einer Befreiung. Erstens kurze oder englischsprachige Aufenthalte: Laut DAAD sind englischsprachige internationale und weiterführende Studiengänge sowie klassische zwei- bis dreisemestrige Austauschaufenthalte in der Regel nicht an die deutsche Sprachanforderung gebunden – dafür wird aber ein Englischnachweis verlangt. Zweitens die Vorbildung: Viele Hochschulen verzichten auf einen Test bei Bewerbenden mit der Staatsangehörigkeit eines Landes, in dem die Unterrichtssprache Amtssprache ist, oder bei abgeschlossener Schul- oder Hochschulbildung vollständig in dieser Sprache. Keine der beiden Befreiungen gilt automatisch oder EU-weit – jede Hochschule entscheidet im Einzelfall –, weshalb man sie schriftlich beim zuständigen Zulassungsbüro bestätigen lassen sollte, bevor man auf einen eigentlich nötigen Test verzichtet. [2] [1]
Kosten, Vorlauf und die richtige Planung
Die Testgebühren legt jeder Anbieter und jedes Testzentrum eigenständig fest und unterscheiden sich je nach Land teils erheblich. Online genannte Beträge sind daher nur ein grober Anhaltspunkt; die aktuelle Gebühr für den eigenen Standort steht auf der offiziellen Anbieter-Website. Unterschätzt wird oft die Bearbeitungszeit: Computerbasierte IELTS-Ergebnisse liegen meist nach ein bis zwei Tagen vor, online nach sechs bis acht, auf Papier nach rund 13; TOEFL-iBT-Ergebnisse erreichen Hochschulen je nach Versandart nach etwa vier bis zwölf Werktagen, per Post später. Praktisches Vorgehen: (1) Test, Mindestniveau und Frist auf der offiziellen Zulassungsseite des Zielstudiengangs prüfen, nicht auf fremden Zusammenfassungen verlassen; (2) mit ausreichend Puffer für Testtermin plus Bearbeitungszeit buchen; (3) das offizielle Ergebnis direkt an die Hochschule senden lassen, nicht nur eine private Kopie aufbewahren; (4) das Zertifikat danach aufheben, da manche Länder es auch für Visum oder Aufenthaltstitel erneut verlangen. [10] [4] [7]
Brauche ich IELTS oder TOEFL, wenn mein Studiengang auf Englisch ist, das Land aber nicht englischsprachig ist?
In der Regel ja. Ein englischsprachiges Studium etwa in Deutschland oder den Niederlanden entbindet nicht vom Sprachnachweis – es ändert nur, welche Sprache geprüft wird. Der DAAD bestätigt etwa, dass englischsprachige internationale und weiterführende Studiengänge von der deutschen Sprachanforderung befreit sind, weil stattdessen ein Englischnachweis verlangt wird, meist IELTS, TOEFL oder ein vom Studiengang genanntes gleichwertiges Zertifikat. [2]
Wie lange sind meine Testergebnisse gültig?
Das hängt vom Test ab, nicht von einer einheitlichen EU-Regel. TOEFL-iBT-Ergebnisse gelten zwei Jahre ab Testdatum, und IELTS empfiehlt für seine Ergebnisse dieselbe Zweijahresfrist. TestDaF-Zertifikate und die französischen Diplome DELF/DALF verlieren dagegen nie ihre Gültigkeit. Unabhängig von der Regel des Testanbieters sollte zusätzlich geprüft werden, ob die Zielhochschule für die Zulassung eine kürzere Frist festlegt. [4] [7] [8] [9]
Gibt es Gebührenermäßigungen oder Befreiungen bei Sprachtests?
Die Gebühren legt jeder Anbieter und jedes lokale Testzentrum selbst fest; sie unterscheiden sich also je nach Land und teils je nach Stadt, und eine einheitliche EU-weite Ermäßigung oder Befreiung gibt es nicht. Bei finanziellen Engpässen lohnt es sich, beim lokalen Testanbieter nach einer Ermäßigung zu fragen und beim International Office oder der Studienfinanzierungsstelle der Zielhochschule nachzufragen, ob dort eine Unterstützung für Testgebühren angeboten wird. [10]
Kann ich von der Vorlage eines Sprachzertifikats befreit werden?
Manchmal, aber nie automatisch. Die häufigsten Gründe sind die Staatsangehörigkeit eines Landes, in dem die Unterrichtssprache Amtssprache ist, sowie eine Vorbildung, die vollständig in dieser Sprache unterrichtet und geprüft wurde. Beides entscheidet die einzelne Hochschule im Einzelfall – der DAAD betont ausdrücklich, dass jede Hochschule eigene Regeln je Studiengang festlegt –, weshalb die Befreiung schriftlich beantragt werden sollte, statt sie einfach vorauszusetzen. [2] [1]
IELTS, TOEFL oder ein nationaler Test wie TestDaF – was soll ich wählen?
Entscheidend ist allein, welchen Test der Zielstudiengang tatsächlich als Nachweis akzeptiert – wichtiger als jeder allgemeine Ruf eines Tests. Werden mehrere Tests akzeptiert, zählen praktische Kriterien: Verfügbarkeit eines Testzentrums in der Nähe, Format (Computer, online oder Papier) sowie die je nach Standort unterschiedlichen Gebühren. Alle großen Tests beziehen sich auf dieselbe GER-Skala, keiner ist grundsätzlich der „leichtere“ oder „schwerere“ Weg zum geforderten Niveau. [3] [6] [8]
Quellen
- IELTS — Official Website (British Council / IDP / Cambridge) · abgerufen am ↩
- IELTS Scoring in Detail · abgerufen am ↩
- IELTS Academic Test — Format and Purpose · abgerufen am ↩
- Booking Your IELTS Test · abgerufen am ↩
- TOEFL iBT Test — Official Overview (ETS) · abgerufen am ↩
- TOEFL iBT Scores — Understand Your Scores (ETS) · abgerufen am ↩
- Requirements Overview - DAAD · abgerufen am ↩
- German Language Certificates for University Admission - DAAD · abgerufen am ↩
- TestDaF — Official Website · abgerufen am ↩
- Learning French - Campus France · abgerufen am ↩
